Lernen im Jahr 2020

Die Zukunft des LernensNico Kirch ruft zur Blogparade: Wie sieht das Lernen im Jahr 2020 aus? Gute Frage – und ein weites Feld, zumal sich seine Frage auf alle Bereiche der Erwachsenenbildung, Schule und der beruflichen Ausbildung bezieht.

2020 ist gar nicht mehr so weit. Keine acht Jahre mehr … Meine heute 10-jährige Tochter wird dann (nach Stand der heutigen Planung ;-) ) gerade Abitur machen. Wie könnte ihr Lernalltag im Jahr 2020 aussehen? Nico fordert Visionen … Die kann er haben! Also losgesponnen, ganz ohne Rücksicht auf mögliche Wenns und Abers:

Meine Vision vom Lernen in der Schule

Wenn ich mir Lernen in der Schule 2020 vorstelle, dann sehe ich Schüler in kleinen Gruppen. Der feste Klassenverband hat an Bedeutung verloren, Lerngruppen setzen sich je nach Fach, Interessenlage und Stärken der einzelnen Schüler immer wieder neu zusammen. Das Lernen wird individueller und eröffnet mehr Freiräume, die eigenen Stärken und Vorlieben zu entfalten. Durch diese Freiheit haben Schüler aber auch mehr Eigenverantwortung für ihr eigenes Lernen bekommen.

Lehrer haben die Funktion von Coaches übernommen, die die Lernenden unterstützen. Ihre Aufgabe besteht darin, neue Lernanreize zu liefern und bei Bedarf Hilfestellung zu geben. Sie machen den Schülern Lernangebote, die von den Lernenden genutzt werden – oder eben nicht, wenn sie nicht den eigenen Lernbedürfnissen entsprechen. Natürlich gibt es Basiswissen, das sich jeder Schüler aneignen muss, aber darüber hinaus haben Schüler mehr Möglichkeiten, Schwerpunkte zu setzen und die richtige Lernform für sich zu finden.

Tablet PCs statt Schulbüchern und Heften

Eine zentrale Lernplattform und Apps, die die Schüler auf ihren Tablet-PCs nutzen, haben Schulbücher aus Papier größtenteils verdrängt. Ein wesentlicher Vorteil dieser Kombination aus Lernplattform und Apps liegt darin, dass die Schüler diese sehr selbständig und entsprechend der eigenen Bedürfnisse nutzen können. Alle Unterrichtsmaterialien können darüber abgerufen werden. Umgekehrt werden Arbeitsergebnisse auf die Plattform hochgeladen. Es gibt eine Möglichkeit, mit dem betreuenden Fachlehrer Kontakt aufzunehmen und Fachfragen zu stellen.

Vor allem Schüler der höheren Klassen können sich in Eigenregie durch die Programme arbeiten und haben so einen guten Überblick über ihren eigenen Lernfortschritt. Der Präsenzunterricht in der Schule dient dann zur gemeinsamen Reflektion des Gelernten. Hier wird diskutiert und es gibt Gelegenheit, Fragen zu stellen. Neue Projekte werden geplant oder abgeschlossene Arbeiten vorgestellt. Die Kombination aus Selbstlernphasen und gemeinsam optimal genutztem Präsenzunterricht macht es für die Schüler leichter, im eigenen Tempo zu lernen.

Der Zugang zum Internet macht das Recherchieren von Informationen und die Kontaktaufnahme zu Mitschülern möglich. Gefördert wird auch der Austausch mit den Schülern aus Partnerschulen in anderen Ländern, die Kommunikation findet daher auf Englisch statt.

Kollaboratives Lernen

Kollaboratives Arbeiten hat insgesamt an Bedeutung gewonnen. Die Schüler erarbeiten sich ihr Wissen in Projektgruppen und Einzelprojekten. Die Entdeckung von Wissen und Anwendung von Gelerntem sind das Ziel dabei. Das Ergebnis solcher Projekte können geschriebene oder vertonte Texte sein, aber auch Animationen, Filme, kleine Programme oder Inszenierungen, die als Abschluss präsentiert und möglicherweise auch veröffentlicht werden. Denn nicht nur die Arbeit mit Wikis und gemeinsam genutzten Datenbanken ist selbstverständlich geworden. Auch Kommunikation und Austausch von Lernmaterialien und Projektergebnissen finden nicht mehr nur hinter verschlossenen Türen statt, sondern passieren zunehmend im Social Web. Überhaupt öffnet sich der Mikrokosmos Schule immer mehr nach außen. Für die Schüler ist es durch soziale Netzwerke wie Facebook längst selbstverständlich, etwas von sich selbst der Öffentlichkeit zu präsentieren. Die Schule unterstützt diesen Prozess, indem sie dazu anleitet, Inhalte mit der nötigen Sorgfalt zu publizieren und umgekehrt, die Menge an Informationen, die im Netz zur Verfügung steht, bei Bedarf zu finden, zu bewerten und sinnvoll für sich zu nutzen.

Lernraum Schule

Die Schule hat ein neues Selbstverständnis entwickelt. Sie bietet Lernraum und Lernmöglichkeiten, die den Schülern den ganzen Tag offen stehen. Dazu gehören auch Räume, in denen sich Projektgruppen treffen, und Arbeitsplätze, die den Schülern für ihre Selbstlernphasen nutzen können. Ruheräume, eine Mensa und Sport- und Freizeitangebote sorgen für den nötigen Ausgleich zum Lernen.

Es gibt noch so vieles, was mir zum Lernen in der Schule 2020 einfällt – ein ganzes Buch könnte man damit wahrscheinlich füllen. Eigentlich wollte ich an dieser Stelle noch etwas zur beruflichen Weiterbildung schreiben, doch das würde den Rahmen dieses Artikels definitiv sprengen. Das soll also an anderer Stelle geschehen.

Hallo, ich bin Katja Grintsch, Jahrgang '75, freie Online-Redakteurin und Web-Texterin. Zusammen mit meiner Familie lebe und arbeite ich in Köln-Marienburg und betreue Projekte rund um Kommunikation, Text, Social Media und PR.