Mit dem Thema Game Based Learning ging der OpenCourse 2012 vergangene Woche in die dritte Runde. An der Session am 23. Mai konnte ich endlich einmal live teilnehmen. Den Referenten Christoph Deeg und Son Le zuzuhören und gleichzeitig die Diskussion im Chat zu verfolgen, hat viel Spaß gemacht, und ich habe einiges für mich mitnehmen können.
Ich spiele, also lerne ich
Eine zentrale Frage, die immer wieder auftauchte, war die, ob Spielen nicht eigentlich immer zweckfrei ist, d.h. nur der Unterhaltung dienen sollte. Spielen ist etwas Urmenschliches, wie Christoph Deeg leidenschaftlich in seinem Vortrag darstellte. 80% der Dinge, die wir in unserem Leben lernen, lernen wir über Spiel und Try-and-Fail-Mechanismen, so Deeg. Gerade bei Kindern kann man das sehr schön beobachten. Sie sind es gewohnt, sich in unbekannten Systemen spielerisch zurechtzufinden und einfach auszuprobieren, welche Möglichkeiten sie in dieser Welt haben, welche Regeln es gibt und was das Ziel ist. Und genau das ist das Prinzip, das hinter vielen Games und auch Lernspielen steckt.
Lernen in solchen explorativen Lernumgebungen, bzw. in digitalen Lernwelten, bedeutet immer selbstbestimmtes Lernen. Es geht darum, neue Dinge für sich zu entdecken, sich seine Lernziele selbst zu stecken und je nach Interesse immer tiefer in eine Materie einzusteigen. Klingt traumhaft? Zugegeben – ich kann mir auch nicht vorstellen, dass irgendein Spiel dieser Welt mich dazu motivieren könnte, freiwillig z.B. mathematische Formeln zu entdecken und zu lernen – wenn aber ein grundsätzliches Interesse vorhanden ist, erhöht das Konzept des selbstbestimmten Lernens die Motivation enorm.
Lernen, ohne es zu merken? – Was macht gute Serious Games aus?
Serious Games, sog. “ernsthafte Spiele”, sind Games, die für einen bestimmten Zweck entwickelt wurden. Zielsetzung ist also nicht mehr das Spielen an sich, sondern das Lernen. Serious Games legen es darauf an, uns bestimmte Inhalte nahezubringen. Dafür nutzen sie den menschlichen Spieltrieb. Wenn es gelingt, ein Spiel so zu gestalten, dass es zur Auseinandersetzung mit einem Thema motiviert, dann kann es erfolgreich sein.
Und hier liegt die Herausforderung bei der Konzeption von spielerischen Lernumgebungen. Die Frage ist, welche Faktoren bei der Konzeption von Lernspielen eine Rolle spielen:
- Interaktivität – Lernen ist ein aktiver Prozess, und Handeln erleichtert die Aufnahme von Wissen.
- Emotionale Bindung – Die Aktivitäten des Spielers haben folgen, Erfolge und auch Misserfolge werden im Spiel erlebbar. So erzeugt das Spiel Spaß und Spannung.
- Spaß am Spiel – maßgeblich für den Lernerfolg!
- Lernen und Spielen im Gleichgewicht – Lernspiele dürfen nicht zu lernlastig sein.
- Anker setzen – Das Spielerlebnis kann als Anker dienen, um Faken oder Zusammenhänge zu erinnern.
In der Diskussion wurde noch einige weitere Aspekte angesprochen und bestimmt ließe sich die Liste noch fortsetzen. Wer sich für die Vorträge interessiert und noch einmal reinhören möchte, findet hier die Aufzeichnung.
- Links und Beispiele für Game Based Learning werden im eigens dafür eingerichteten Wiki gesammelt.
- Aufzeichnung der Live-Session vom 23.5.2012
- Kursblog zum OPCO12 mit Beiträgen zum Thema Game Based Learning

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