Inspiriert vom Konzept des Booksprints hatte Dörte Giebel die Idee zu diesem Blogsprint. Und so bloggen heute zehn Blogger gleichzeitig zwei Stunden lang zu einem Thema: Collaborative Online Content Production (COCP).
Hier mein Beitrag, Stand Ende des Sprints, abends 23:00 Uhr:
Meine Erfahrungen mit Kollaboration im Social Web
Ich möchte heute ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern und einmal meine persönlichen Erfahrungen mit kollaborativen Online-Arbeits- und Lernprozessen beisteuern. Meine aktuelle Weiterbildung zur Social Media Managerin beim ILS ist bereits meine dritte Fernstudienerfahrung, und während dieser verschiedenen Ausbildungen habe ich ganz unterschiedliche Ansätze von kolaborativen Lernen und Arbeiten kennengelernt.
Meine erste Fortbildung zur PR-Beraterin basierte auf einem Blended Learning Konzept, d.h. aus einer Mischung aus Präsenz- und Selbstlernphasen. Gemeinsame Arbeitsprozesse fanden nur während der Präsenzwochenenden statt; zwischen diesen insgesamt drei Wochenenden innerhalb eines halben Jahres habe ich kaum Kontakt zu meinen Mitstudierenden gehabt und jeder hat für sich allein gelernt. Ich habe das damals schon als echtes Manko empfunden, und dass es auch ganz anders geht, habe ich dann in meiner zweiten Weiterbildung erlebt.
An der Uni Duisburg habe ich Educational Media studiert. Hier war Lernen mit Medien nicht nur Thema des Studiums sondern wurde konsequenter Weise auch ganz praktisch gelebt: In dem getackteten Studiensemester gab es alle drei Wochen neue Lernmaterialien und eine neue Aufgabenstellung. Mehr als die Hälfte davon war in Gruppenarbeit zu erledigen, und nicht immer konnte man auf bestehende Arbeitsgruppen zurückgreifen – dann bestand die erste Herausforderung schon darin, eine Gruppe zu bilden.
Gruppenbildung
Zu Beginn des Semesters trafen sich die Studienanfänger zu einer Kick-Off-Veranstaltung in Duisburg. Neben vielen organisatorischen Fragen bot sich hier die Gelegenheit, die etwa 30-40 Mitstudierenden persönlich kennenzulernen. Auch erste kleine Aufgaben waren Bestandteil des Treffens. Und: erste Arbeitsgruppen wurden gebildet! Nun ist es so, dass man sich in wenigen gemeinsamen Stunden unmöglich alle Teilnehmer kennenlernen kann, und so geschah diese erste Gruppenbildung zwangsläufig eher zufällig.
Herausforderung Gruppe
So entstehen bunt zusammengewürfelte Gruppen, deren Teilnehmer nur wenig über die jeweiligen Hintergründe der anderen wissen. Welche Stärken und Schwächen die anderen wohl haben? Wie wird man sich organisieren können? Ob jeder zuverlässig ist, Termine einhält und seinen Teil beisteuert? Hinzu kommt: Fast alle stehen im Beruf, sind teilweise zeitlich recht unflexibel. Die einen lernen ausschließlich am Wochenende, für andere sind Samstag und Sonntag allein der Familie vorbehalten. Asynchrone Kommunikationstools erleichtern zwar die Zusammenarbeit, wenn es zeitlich knapp wird, sind alle Teilnehmer gefordert, Kompromisse einzugehen.
Hohe Erwartungen
Gleichzeitig sind mit so einer Gruppenarbeit hohe Erwartungen verbunden: Man hofft, sich gegenseitig ergänzen zu können, die eigenen Stärken und Fähigkeiten in die Gruppe einbringen zu können, und umgekehrt bei den anderen auf Fähigkeiten zu stoßen, die eigene Lücken ausgleichen können. Man möchte ein möglichst perfektes Ergebnis erreichen – zum einen natürlich, um eine gute Bewertung zu erhalten, zum andern aber auch aus eigener Motivation heraus.
Kommunikation
Im Zentrum des Studienkonzepts stand der Online-Campus, in dem auch alle Lehrmaterialien abgerufen werden konnten und der ein Forum als Kommunikationsplattform enthielt. Diese vom Studienanbieter bereitgestellte Plattform habe ich als wenig attraktiv erlebt und sie wurde von den meistne Studierenden nur wenig genutzt. Besser funktioniert die Kommunikation meiner Erfahrung nach, wenn die Studierenden sich über selbstgewählte Plattformen austauschen, auf denen sie sich auch privat bewegen. Dabei spielen zwei Aspekte eine Rolle: zum einen der fachliche, aufgabenbezogene Austausch, zum andern die persönliche Ebene. Die besten Erfahrungen habe ich diesbezüglich jüngst mit Twitter gemacht, wo eine “natürliche” Gruppenbildung und persönlicher Austausch durchaus stattfinden. Anja schreibt in ihrem Blogsprint-Beitrag gerade etwas darüber, wie wir als SoMM-Studierende mit Twitter umgehen.
Für fachliche Zusammenarbeit und Abstimmungsprozesse habe ich gute Erfahrungen mit Skype und Google Hangouts gesammelt. Jasmin berichtet in ihrem Blogsprint-Text von ihren Erfahrungen mit Skype. Gut funktioniert auch gemeinsames, synchrones Arbeiten in Etherpads oder asynchron mit GoogleDocs. Auch der Austausch mit Dokumenten per Dropbox funktioniert gut. Doch dabei gibt es einiges zu beachten. Wer sich für die Arbeit mit Dropbox interessiert, sollte den Blogsprint-Text von Heike lesen.
Dynamik innerhalb der Gruppe
Gerade am Anfang verläuft die Kommunikation meist sehr eng an der Aufgabe und sehr zielorientiert. Eine Aufgabenstellung “Diskutieren Sie innerhalb der Gruppe verschiedene Aspekte von …” wird meiner Erfahrung nach nur zu gern übersprungen. Statt dessen gibt es meist einen Teilnehmer, der sich aufrafft und eine Vorlage liefert. In diese arbeiten die andern dann rein. Ein häufiges Problem – gerade wenn man sich nicht gut kennt: Kritik üben ist schwierig. Niemand möchte dem anderen “auf die Füße treten”. Daher wird vor allem viel gesammelt und ergänzt, aber wenig korrigiert und überarbeitet und so gut wie nichts gestrichen. Das Ergebnis: Viiiieeel Text.
– und den gilt es dann am Ende noch in Präsentationsform zu bringen.
Präsentation als Gruppe
Wer einmal als Gruppe ein fertiges Arbeitsergebnis in einem virtuellen Klassenraum, wie z.B. Adobe Connect, gehalten hat, der weiß, was für ein besonderes Erlebnis das ist. Man präsentiert nämlich blind, denn man sieht sich ja nicht, sondern lediglich die Präsentationsfolien. Es ist nicht nur unmöglich, die Reaktionen des Publikums zu sehen, man kann sich auch untereinander nicht absprechen, Blickkontakt aufzunehmen o.ä. Spätestens wenn Rückfragen kommen und eine Diskussion mit den Lehrenden und anderen Mitstudierenden entsteht, zeigt sich, ob man sich vorher in der Gruppe einig geworden ist oder nicht.

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Moin Katja,
großartig, wie Du gestern das BlogSprint-Experiment mit Leben gefüllt hast!
Ihr Vier habt wirklich eine beachtliche Gruppenarbeit vollbracht – und ich ahne, es war für Euch von Vorteil, dass Ihr schon vor dem BlogSprint als Gruppe “funktioniert” habt. Auch das ist für mich ein Learning aus dem gestrigen BlogSprint:
–> Es ist evtl. produktiver, wenn der Gruppenbildungsprozess VOR dem eigentlichen Event des BlogSprints bereits vollzogen wurde.
Wenn ich Deinen Beitrag richtig verstanden habe, beziehst Du Dich vor allem auf die Duisburger Erfahrungen im Educational-Media-Fernstudium, oder? Einiges von dem ist sicherlich auch auf die Lernsituation am ILS übertragbar. Deinen Einwurf, dass es den Fernstudierenden frei stehen sollte, über welche Medien sie sich vernetzen, um gemeinsam zu lernen, finde ich sehr wichtig – nicht zuletzt in Social-Media-Zeiten, in denen es wirklich nicht mehr schwer fällt, auch außerhalb eines Online-Campus Kontakt zu halten und online usamen zu arbeiten. Im Zweifelsfall sind Social Media da sogar “smarter” als der zur Verfügung gestellte Campus…
Ich bin mir sicher, dass eine moderne Fern(hoch)schule damit kein Problem hat, wenn ihre Studierende auch außerhalb des Campus ihre Gruppen unf Kontakte pflegen und andere Tools im Netz nutzen!
Ich freue mich auf den nächsten BlogSprint – hoffentlich auch wieder mit Dir!
Viele Grüße
Dörte
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Danke, Dörte, für Dein Feedback – und natürlich dafür, dass Du die ganze Sache überhaupt ins Rollen gebracht hast! Es war wirklich spannend und ich habe schon einen kleinen Beitrag formuliert, wie ich diesen ersten Blogsprint erlebt habe – und was ich beim nächsten Mal anders machen würde
Fakt ist: Beim nächsten Mal sprinte ich gerne wieder mit!
Vielen Dank für das Teilen und Einordnen Deiner Erfahrungen! Die Relevanz von Gruppen und Gruppenbildung in Lernprozessen schätze ich ebenso hoch ein, wie Du sie im Text beschreibst. Bei asynchroner Lehre stellt es eine besondere Herausforderung dar die verschiedenen Teilnehmer in der Gurppenentwicklung und -dynamik zu unterstützen. So werden die Gruppen ja durch Neuzugänge ja immer wieder in die Dynamik getrieben, wie sie Stahl mit den Phasen Forming, Norming, Norming und Performing darstellt – zum Beispiel gut dargestellt in dieser Präsentation (http://www.slideshare.net/Wissenstransfer/gruppendynamik-wie-gruppen-funktionieren-was-moderatorenfhrungskrfte-wissen-sollten) auf Seite 7.
Hast Du Ideen oder Vorschläge, wie eine Lehrgangsleitung diese kollaborativen Prozesse und die Gruppenentwicklung unterstützen könnte?